Editorial: Schwerpunkt Medienpsychologie

by Wera Aretz

Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neben den klassischen Medien, wie Radio, Fernsehen und Zeitung hat sich das „neue“ Medium Internet mit seinen umfangreichen Nutzungsmöglichkeiten in den letzten Jahren rasant verbreitet. Im privaten und beruflichen Bereich wird das Internet für unterschiedliche Kommunikationsanlässe und aus verschiedensten Motiven heraus genutzt (z. B. zum Zeitvertreib, zur Informationsbeschaffung, zur Kommunikation, zur Selbstdarstellung, zur Partnersuche, zum Einkaufen). Die Alltagsrelevanz des Mediums wird deutlich, wenn man aktuelle Nutzungsstatistiken betrachtet.

  • Nach eigenen Angaben hat das soziale Netzwerk Facebook (Stand: November 2010) derzeit weltweit über 500 Millionen aktive Mitglieder. Davon loggen sich etwa 250 Millionen Nutzer täglich auf der Homepage dieses sozialen Netzwerkes ein, um Nachrichten zu lesen oder selbst zu verfassen (vgl. Spiegelonline, 2010).
  • Zur Partnersuche stehen im Internet über 2000 deutschsprachige Singlebörsen und Partnervermittlungen zur Verfügung. Ihre Mitgliederzahlen werden im Jahre 2008 auf insgesamt 54.4 Millionen User geschätzt (Pflitsch & Wiechers, 2009).
  • 34.1 Millionen deutsche Nutzer tätigten im Jahre 2009 verschiedene Einkäufe via Internet. Online-Käufer machten damit insgesamt einen Anteil von 76 % an allen Internetnutzern aus (ENIGMA GfK, 2009).

Seit etwas mehr als zehn Jahren wird vermehrt auch vor Gefahren der Internetnutzung gewarnt. Hier werden verschiedene dysfunktionale Aspekte, wie exzessive Internetnutzung mit daraus folgenden Entwicklungsverzögerungen und –defiziten bei Kindern und Jugendlichen, benannt und auf das erhöhte Risiko für die Entwicklung von psychischen Störungen (z.B. Depressivität, verstärkte Reizbarkeit) sowie auf negative Folgen im Berufs- und Privatleben (z. B. Leistungsversagen, soziale Isolation, Partnerschaftsprobleme) hingewiesen (vgl. Six, 2007). Medien – so kann geschlussfolgert werden – beeinflussen das Erleben und Verhalten des Menschen auf sehr vielfältige Weise.

Diese verschiedenen menschlichen Erlebens- und Verhaltensprozesse, welche durch Medien beeinflusst werden, bilden den Gegenstand des vorliegenden Themenschwerpunktes  Medienpsychologie.

Die ersten beiden Originalbeiträge widmen sich dabei dem Themenfeld des Online-Datings. Peter Michael Bak untersucht in seiner Studie, welchen Einfluss die Attraktivität eines Profilbildes auf die Beurteilung des Profils hat, selbst wenn das Foto offensichtlich nicht zum Profilbesitzer passt. Die Studie von Wera Aretz, Inge Demuth, Kathrin Schmidt und Jennifer Vierlein analysiert, ob sich die Nutzer von Online-Datingservices hinsichtlich psychologischer und soziodemographischer Merkmale von Nicht-Nutzern unterscheiden. Zudem wird geprüft, ob sich Nutzertypen identifizieren lassen, die Online-Single-Börsen aus unterschiedlichen Motiven heraus und mit verschiedenartiger Intensität nutzen.

In die Rubrik dysfunktionale Aspekte der Nutzung sozialer Netzwerke lässt sich der dritte Originalbeitrag von Wera Aretz, Laura Becher, Anna-Luisa Casalino und Charlotte Bonorden einordnen. Untersucht wird, ob Eifersucht in Paarbeziehungen von der spezifischen Nutzung sozialer Netzwerke beeinflusst wird und welche Faktoren die Intensität der Eifersucht (kurz digitale Eifersucht) beeinflussen.

Mit einer speziellen Form der exzessiven und patologischen Mediennutzung, der Kaufsucht, beschäftigt sich abschließend die Studie von Dominic Gansen und Wera Aretz. Die Originalstudie analysiert, wie verbreitet dieses Phänomen ist, und welche auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren beim maßlosen Einkaufen im Internet eine Rolle spielen.

Literatur:

ENIGMA GfK (2009). Amazon auf Platz eins der Shopping-Webseiten. Verfügbar unter: http://www.gfk.com/imperia/md/content/presse/pm_oss_09_dfin.pdf (16.10.2010).

Pflitsch, D. & Wiechers, H. (2009). Der Online-Dating-Markt 2008-2009. Verfügbar unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/presse/online-dating-markt-2008-2009.pdf (05.07.2010).

Six, U. (2007). Exzessive und pathologische Mediennutzung. In U. Six, U. Gleich & R. Gimmler (Hrsg.). Kommunikationspsychologie und Medienpsychologie (S. 356 – 371). Basel: Beltz.

Spiegelonline (2010). Facebook. Verfügbar unter:http://www.spiegel.de/thema/facebook/ (24.11.2010).