Editorial

by Wera Aretz


Personalpsychologische Fragestellungen haben in den letzten zehn Jahren in Wissenschaft und Praxis stetig an Bedeutung gewonnen. Als wesentliche Gründe hierfür sind insbesondere veränderte Anforderungen an Arbeitnehmer im Zuge einer globalisierten Wirtschaft, der demographische Wandel und seine Folgen für Organisationen (z. B. Achouri, 2010; Kühlmann & Stahl, 2001; Roth, Wegge & Schmidt, 2007) sowie technologische Neuerungen und Weiterentwicklung in der beruflichen Praxis zu nennen (z. B. Steiner, 2009). Aktuelle Anforderungen für die Personalpsychologie bestehen vor allem darin, die Auswirkungen der veränderten Rahmenbedingungen auf das Individuum zu untersuchen sowie Chancen und Risiken zu prüfen, die aus der Anwendung neuer Technologien resultieren (z. B. Bürg & Mandl, 2005; Göritz & Moser, 2002; Wegge & Bipp, 2004).

Der Schwerpunkt Personalpsychologie der vorliegenden Ausgabe des Journal of Business and Media Psychology greift diese Fragestellungen auf. Die Beiträge decken zugleich klassische Schwerpunkte dieser Disziplin ab, die im Kontext neuer Medien und heutiger Anforderungen diskutiert werden: Personalauswahl mittels digitaler und analoger Verfahren, Berufswahl und berufliche Entwicklung sowie produktives Arbeitsverhalten und Kontextperformanz.

Die erste Studie von Udo Konradt, Sebastian Syperek und Guido Hertel fokussiert das Thema des Fakings (also der Möglichkeit der Verfälschung diagnostischer Befunde) bei webbasierten Verfahren. Die Autoren untersuchen experimentell, inwieweit über das Internet dargebotene Persönlichkeitsfragebögen durch Bewerber zielgerichtet verfälscht werden können.

Der zweite Beitrag von Stefan Krumm, Joachim Hüffmeier, Franziska Dietz, André Findeisen und Christian Dries widmet sich den leistungsbasierten Instrumenten der Personalauswahl. Um die Diskrepanz zwischen diagnostischem Nutzen und geringer Akzeptanz von Intelligenztests in der Praxis zu überbrücken, entwickelte und validierte die Forschergruppe einen Leistungstest, mit dem Ziel, inhaltlich einen stärkeren Bezug zum Arbeitskontext herzustellen.

Im dritten Beitrag wenden sich die Autoren Nikolay Kolev und Uwe Peter Kanning dem Einfluss visueller, nonverbaler Informationen bei der Beurteilung der Persönlichkeit eines Gesprächspartners zu. Die Relevanz der Ergebnisse wird für die externe Personalauswahl genauso diskutiert wie für den Bereich der Personalentwicklung.

Mit dem personalpsychologischen Themenfeld der Berufswahl und beruflichen Entwicklung junger Erwerbstätiger beschäftigt sich die Studie von Simon Hahnzog. Untersucht wird mittels eines qualitativen Designs der Einfluss des Status- und Rollenwechsels während des Übergangs vom Studium in den Beruf auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Arbeitnehmer.

An der Schnittstelle zwischen Person und Organisation ist die Studie von Claudia Gerhardt, Abeku Annan Biber, Karolin Burmann, Johanna Gundlach und Svenja Fiedler anzusiedeln. Die Arbeitsgruppe untersucht die psychologischen Bedingungen des freiwilligen Arbeitsengagements und diskutiert mögliche Konsequenzen bei der Personalauswahl.

Abschließend möchten wir auf eine Neuerung im Journal of Business and Media Psychology hinweisen. Um auch jungen Wissenschaftlern ein Forum zur Veröffentlichung herausragender wissenschaftlicher Arbeiten (Bachelor- oder Masterarbeiten) zu bieten, veröffentlichen wir fortan jeweils einen Absolventenbeitrag. In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich Jennifer Pommerien in ihrer Studie mit dem Thema des E-Recruitings und untersucht prädisponierende Persönlichkeitseigenschaften und Einstellungen von Bewerbern, die zu einer erhöhten Nutzungsbereitschaft elektronischer Bewerbungsverfahren (wie Email oder Online-Bewerberformulare) führen.

Literatur:

Achouri, C. (2010). Recruiting und Placement. Methoden und Instrumente der Personalauswahl und –platzierung (2. Aufl.). Wiesbaden: Gabler.

Bürg, O. & Mandl, H. (2005). Akzeptanz von E-Learning in Unternehmen. Zeitschrift für Personalpsychologie, 4, 75-85.

Göritz, A. S. & Moser, K. (2002). Personalmarketing im Internet – Eine Untersuchung des Auftritts der 100 größten deutschen Unternehmen. Zeitschrift für Personalpsychologie, 1, 141-148.

Kühlmann, T. M. & Stahl, G. K. (2001). Problemfelder des internationalen Personaleinsatzes. In H. Schuler (Hrsg.). Lehrbuch der Personalpsychologie (S. 533-557). Göttingen: Hogrefe.

Roth, C., Wegge, J. & Schmidt, K.-H. (2007). Konsequenzen des demographischen Wandels für das Management von Humanressourcen. Zeitschrift für Personalpsychologie, 6, 99-116.

Steiner, H. (2009). Online-Assessment. Grundlagen und Anwendung von Online-Tests in der Unternehmenspraxis. Berlin: Springer.

Wegge, J. & Bipp, T. (2004). Videokonferenzen in Organisationen: Chancen, Risiken und personalpsychologisch relevante Anwendungsfelder. Zeitschrift für Personalpsychologie, 3, 95-111.