Editorial

by Wera Aretz

Die Relevanz neuer Medien ist für kommerzielle und private Zwecke in den letzten Jahren rasant gestiegen. Über 50 Mio. Menschen nutzen mittlerweile in Deutschland das Internet; vertreten sind dabei alle Altersgruppen – im starken Maße die der 14 bis über [...]


Die Relevanz neuer Medien ist für kommerzielle und private Zwecke in den letzten Jahren rasant gestiegen. Über 50 Mio. Menschen nutzen mittlerweile in Deutschland das Internet; vertreten sind dabei alle Altersgruppen – im starken Maße die der 14 bis über 60 Jährigen (Bundesverband Digitale Wirtschaft, 2011).

Betrachtet man aktuelle Statistiken zur Internetnutzung, so wird deutlich, dass das Internet zum festen Bestandteil des Alltages gehört und vielfältige Anwendungen genutzt werden. Neben klassischen Anwendungen, die auf Information und Kontakt gerichtet sind (z. B. Emails versenden und empfangen, Recherche in Suchmaschinen, Wetter und Nachrichten) verbreiten sich zunehmend auch instrumentell-transaktionsorientierte Nutzungskomponenten wie Online-Shopping oder Online-Dating:

96.9 Prozent der Internetnutzer – dies entspricht ca. 49 Mio. Personen – tätigten im Jahre 2010 Einkäufe via Internet. Online Shopping gehört damit zum selbstverständlichen Nutzungsspektrum des Internets (Bundesverband Digitale Wirtschaft, 2011).
Zur Partnersuche stehen im Internet über 2000 deutschsprachige Kontaktbörsen und Partnervermittlungen zur Verfügung. Ihre Mitgliederzahlen werden im Jahre 2008 auf insgesamt 54.4 Millionen Nutzer geschätzt (Pflitsch & Wiechers, 2009).

Die Bedeutung des Internets zeigt sich zudem in einem deutlichen Anstieg von Online-Werbeaktivitäten in allen Wirtschaftsbereichen (Nielsen, 2010; Bundesverband Digitale Wirtschaft, 2011). Zwischen den Jahren 2009 und 2010 wird je nach Studie der Zuwachs der Werbeaufwendungen im Internet auf 1.8 % (Nielsen, 2010) bzw. 2.7 % (Bundesverband Digitale Wirtschaft, 2011) beziffert. Die im Jahre 2010 getätigten Werbeaufwendungen in Deutschland in Höhe von 25 Mrd. Euro verteilen sich dabei prozentual auf klassische Medien wie Fernsehen (43.7 %), Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften) (37.2 %) sowie das Internet (9.5 %). Somit ist das Internet mittlerweile das drittstärkste Werbemedium.

Die dominante Rolle des Internets im privaten und wirtschaftlichen Kontext stellt die Angewandte Psychologie vor die Aufgabe, das Erleben und Verhalten des Menschen im Umgang mit klassischer Werbung und klassischen Medien sowie Online-Medien zu untersuchen und so fundierte Empfehlungen für die Praxis zu generieren.

Das vorliegende Themenheft des Journal of Business and Media Psychology bietet mit insgesamt sechst Artikeln neue Erkenntnisse aus der Werbewirkungs- bzw. Medienforschung und diskutiert ihren praktischen Erkenntniswert

  1. Beeinflussbarkeit und Werbewirkung Erstellung einer deutschsprachigen Version der Skala ‘CSII’ und Test für die Medien- und Werbepsychologie von Jens Woelke & Andrea Dürager
  2. „Heller, größer, bunter…!?“ Der Einfluss gestalterischer Aspekte der Lichtwerbung auf die visuelle Aufmerksamkeit und die Erinnerungsleistung von KonsumentInnen von Björn Badura, Sanaz Maafi & Annette Kluge
  3. Das Verhalten von Online-Konsumenten und dessen Beziehung zu soziodemographischen und den Faktoren ‚shopping orientation‘, ‘need for emotion’ und ‚fashion leadership‘ von Dina Burkolter & Annette Kluge
  4. Materialismus, Selbstwert, Lebenszufriedenheit und Mediennutzung von Peter Michael Bak
  5. Du kannst es dir ja noch mal überlegen’ –Warum uns reversible Entscheidungen nicht zufriedener machen von Georg Felser
  6. Impression Formation in Online-Dating-Situations: Effects of media richness and physical attractiveness information von Katja Mierke, Wera Aretz, Anna Nowack, Roland Wilmsen, and Tim Heinemann

Literatur

Bundesverband Digitale Wirtschaft (2011). OVK Online-Report 2011.Verfügbar unter:

http://www.bvdw.org/presseserver/ovk_online_report_2011_01/ovk_online-report_2011_01.pdf

(05.12.2011).

Nielsen Company (2011). Handel – Verbraucher – Werbung: Deutschland 2010. Verfügbar unter: http://de.acnielsen.com/site/documents/Nielsen_D2011_internet_23.08.pdf
(05.12.2011).

Pflitsch, D. & Wiechers, H. (2009). Der Online-Dating-Markt 2008-2009. Verfügbar unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/presse/online-dating-markt-2008-2009.pdf (05.07.2010).