Editorial

by Wera Aretz

Personalpsychologische Fragestellungen und deren empirische Befunde haben vor dem Hintergrund des demographischen Wandels (z. B. Achouri, 2010; Kühlmann & Stahl, 2001), der zunehmenden Knappheit qualifizierter Bewerber (Fachkräftemangel) sowie der Digitalisierung der Arbeitswelt (z. B. DGFP, 2011; Steiner, 2009) in Wissenschaft und Praxis an Bedeutung gewonnen. Aktuelle Herausforderungen für Wirtschaftspsychologen bestehen darin, auf diese Veränderungen zu reagieren und der Praxis fundierte Handlungsempfehlungen zu bieten. Themen wie etwa die Bindung von Mitarbeitern an Unternehmen, der Aufbau eines attraktiven Arbeitgeberimages (Employer Branding) sowie die Überprüfung der Effektivität und Effizienz von Recruting-Kanälen zur Ansprache neuer Mitarbeiter sind im Zuge der Veränderungen zu behandeln (Weitzel, Eckhardt, Maier, Laumer, von Stetten & Guhl, 2012).

Betrachtet man aktuelle Befragungen, so wird ebenfalls deutlich, dass das Personalmanagement in Unternehmen vor komplexen Aufgaben steht, die vor allem auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter und den Erhalt bestehender Mitarbeiter gerichtet sind: Laut einer aktuellen Umfrage im deutschen Mittelstand wollen 91% der 1000 befragten Unternehmen dieses Jahr neue Mitarbeiter einstellen, gehen aber gleichzeitig davon aus, dass jede zweite Stelle nur mit großem Aufwand zu besetzen ist oder unbesetzt bleiben wird (Weitzel, Eckhardt, Maier, Laumer, von Stetten & Guhl, 2012).

Die vorliegende Ausgabe des Journal of Business and Media Psychology befasst sich mit fünf aktuellen wirtschaftspsychologischen Fragestellungen rund um das Thema der Personpsychologie: Die Akzeptanz herkömmlicher und neuer Recrutierungswege seitens Bewerber, die Bedeutung von Intelligenztests und persönlichkeitsspezifischen Konstrukten, wie des organisationsbezogenen Selbstwertes und deren Messmöglichkeiten, die Bedeutung der Organisationskultur, ihre Messmöglichkeit und Veränderung anhand einer deutschen Skala sowie die Bedeutung von Kunstsponsoring als Mittel zur Gestaltung des Unternehmensimages. Damit widmet sich die aktuelle Ausgabe des JBMP einigen wesentlichen der bisher angesprochenen personal- und organisationspsychologischen Handlungsfeldern. Die Autoren der folgenden Beiträge bieten Ursachenanalysen, Erklärungsansätze und Lösungsansätze für die Themen:

(1) Personalmarketing aus Bewerbersicht: Nutzung und Bewertung von Meinald T. Thielsch, Lisa Träumer, Leoni Pytlik & Uwe Peter Kanning

(2) Organization-based self-esteem scale – adaptation in an international context von Uwe Peter Kanning & Anka Hill

(3) Misst gut, ist gut? Vergleich eines abstrakten und eines berufsbezogenen Matrizentests von Nils Benit & Renate Soellner

(4) Organisationskultur im Competing Values Model: Messeigenschaften der deutschen Adaption des OCAI von Micha Strack

(5) Art and Environmental Sponsoring as Corporate Image Tools: Chances, Limits, and the Role of Thematic Fit von Deborah Schnabel & Katja Mierke

Literatur

Achouri, C. (2010). Recruiting und Placement. Methoden und Instrumente der Personalauswahl und –platzierung (2. Aufl.). Wiesbaden: Gabler.

DGFP (2011). DGFP Studie: Megatrends und HR Trends. Verfügbar unter: http://static.dgfp.de/assets/empirischestudien/2011/DGFP-Studie-Megatrends.pdf.

Kühlmann, T. M. & Stahl, G. K. (2001). Problemfelder des internationalen Personaleinsatzes. In H. Schuler (Hrsg.). Lehrbuch der Personalpsychologie (S. 533-557). Göttingen: Hogrefe.

Weitzel, T., Eckhart, A., Maier, C., Laumer, S., von Stetten, A. & Guhl, E. (2012). Recruiting Trends im Mittelstand 2012. Verfügbar unter: http://media.newjobs.com/dege/redaktion/Recruiting%20Trends%20Mittelstand%202012%20Zusammenfassung.pdf.