Editorial

by Katja Mierke & Dominic-Nicolas Gansen

Mit der stetig weiter wachsenden Verbreitung von Internet und sozialen Netzwerken als gesamtgesellschaftlichen Kommunikations-plattformen geht eine zunehmende Verzahnung medienpsychologischer Fragestellungen mit klassischen Themen der Wirtschaftspsychologie einher: Einerseits nutzen Unternehmen selbstverständlich unterschiedliche Medien zur gezielten Außenkommunikation. Andererseits wirken Mediendarstellungen sich auf [...]

Mit der stetig weiter wachsenden Verbreitung von Internet und sozialen Netzwerken als gesamtgesellschaftlichen Kommunikations-plattformen geht eine zunehmende Verzahnung medienpsychologischer Fragestellungen mit klassischen Themen der Wirtschaftspsychologie einher: Einerseits nutzen Unternehmen selbstverständlich unterschiedliche Medien zur gezielten Außenkommunikation. Andererseits wirken Mediendarstellungen sich auf die Urteilsbildung und Selbstwahrnehmung ihrer Rezipienten aus, die wiederum das Verhalten in ihrer Rolle als Mitarbeiter wie auch als Konsument maßgeblich beeinflussen. An diesen Schnittstellen entsteht insgesamt ein interessantes Feld von Wechselwirkungen, das neue Fragestellungen aufwirft und gerade die angewandte psychologische Forschung in besonderer Weise herausfordert. Dies gilt in besonderer Weise für soziale Netzwerke, in denen die Rezipienten von Inhalten zugleich diese Inhalte interaktiv mitgestalten.

Die Zusammenstellung der Beiträge im aktuellen Heft spiegelt die Bandbreite und Vielfalt dieses Spannungsfelds wider: Welche Reichweite und Relevanz mediale Außendarstellung für die proaktive Personalgewinnung und bewusste Ausgestaltung von Unternehmenskulturen haben kann, wurde im ersten Beitrag zu Gender and Diversity Management experimentell untersucht. Eine neue Form der strategischen Unternehmens- und Markenkommunikation jenseits von Websites und Marketingbroschüren stellen Brand Pages auf Facebook dar. Der Artikel von Höhnisch und Strack belegt, dass Brand Pages messbare Effekte auf die Konstruktion des Selbstkonzepts von Facebook-Mitgliedern haben, die sich mit dieser Brand Page verlinkt haben und so eine Annäherung zwischen Selbst und Markenpersönlichkeit hervorrufen können.

Ein einzigartiger Aspekt der Informations-vermittlung über soziale Netzwerke entsteht durch dynamische Feedbackschleifen, wie sie beispielsweise in Form von sichtbaren „Like“- und „Dislike“-Urteilen umgesetzt sind. Dass viele „Likes“ klassische Konformitätseffekte bei weiteren Empfängern auslösen und so schnell zum Selbstläufer werden können, demonstriert ein Experiment von Bak und Keßler im dritten Beitrag dieser Ausgabe.

Schließlich freuen wir uns besonders, auch in dieser Ausgabe zwei Absolventenbeiträge präsentieren zu dürfen: Mediale Darstellungen wirken nicht nur auf die Wahrnehmung von Unternehmen und anderen Stimuli, sondern auch auf die Selbstwahrnehmung der Empfänger. Diesen Aspekt greifen Kraus und Hahnzog auf und belegen in ihrer Studie, dass auch hier selbsterfüllende Prophezeiungen entstehen und Medien zumindest subjektive Realitäten erschaffen können – wenn nämlich die mediale Präsenz eines Themas wie Burnout die subjektive Einschätzung der eigenen Burnoutgefährdung verändert.

Die Studie von Brailovskaia und Bierhoff befasst sich mit der Schnittstelle von Medien- und Differenzieller Psychologie und zeigt systematische Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsfaktoren wie Sensation Seeking und der Selbstdarstellung von Teilnehmern sozialer Netzwerke auf.

Wir hoffen, dass das vorliegende Heft mit diesen Beiträgen einen interessanten Überblick über einige aktuelle Fragestellungen an der Schnittstelle von Wirtschafts- und Medienpsychologie gibt.