Faking for real? Facetten politischer Fertigkeiten moderieren die Anpassungsleistung an Stellenanforderungen in Fragebogen- und Leistungsmaßen

by Ricarda C. M. Hübner, Katja Mierke & Dominic-Nicolas Gansen-Ammann (Fresenius University of Applied Sciences, Cologne)

Den Teilnehmern (N = 78) wurde mitgeteilt, dass ein namhaftes Unternehmen seine Rekrutierungsstrategie für Werksstudenten in einem von zwei Tätigkeitsbereichen optimieren möchte. Sozialer Scharfsinn und Einflussnahme als Facetten politischer Fertigkeiten wurden erfasst, bevor die Teilnehmer mehr über die Stellen erfuhren, die entweder eine hohe (Controlling) oder eher niedrige (Gesundheitsförderung) Ausprägung von Gewissenhaftigkeit erforderten. Anschließend wurde Gewissenhaftigkeit über Selbstauskunft im Fragebogen sowie über eine Konzentrationsaufgabe erfasst. Moderierte Regressionsanalysen zeigten drei der vier vorhergesagten Zweifach-Interaktionen : Probanden mit hohen Werten in sozialem Scharfsinn passten sowohl ihre Selbstbeschreibung als auch ihre tatsächliche Leistung an die skizzierten Anforderungen des Tätigkeitsfeldes an, das heißt, sie erreichten signifikant höhere Gewissenhaftigkeitswerte in beiden Maßen, wenn die Werkstudententätigkeit hohe Gewissenhaftigkeit erforderte. Versuchsteilnehmer mit hohen Werten in Einflussnahme passten nur die Selbstbeschreibung an, ihre Performanz in der Konzentrationsaufgabe war unabhängig von den Kontextanforderungen allgemein besser. Probanden mit niedrigeren Werten in sozialem Scharfsinn und Einflussnahme zeigten dieses Muster nicht, weder Selbstbeschreibung noch Leistung unterschieden sich zwischen den Experimentalbedingungen. Hohe Ausprägungen der Facetten sozialer Scharfsinn und Einflussnahme der politischen Fertigkeiten führten also nicht nur zu einer Anpassung der Selbstdarstellung an das gewünschte Profil, sondern beförderten auch die korrespondierende tatsächliche Aufgabenbearbeitung. Implikationen für die Faking-Debatte in der Personalauswahl werden diskutiert.

Schlüsselwörter: Gewissenhaftigkeit, Personalauswahl, soziale Erwünschtheit

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