Frag‘ ein Chamäleon nicht nach seiner Farbe: Kontexteffekte auf selbstberichtete Karriereorientierung und Work-Life-Balance

Katja Mierke & Philippa von Mentzingen

Es ist gut belegt, dass die vorübergehend erhöhte Zugänglichkeit bestimmter Aspekte der eigenen Identität (z. B. über Priming oder soziale Vergleiche) das “Arbeitsselbst” sowie nachfolgende Selbstbeschreibungen beeinflusst. Aufbauend auf Befunden zu zustandsabhängigem Abruf aus dem Gedächtnis und zu Embodiment soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, dass ähnliche Effekte durch unterschiedliche Orte als kontextuelle Hinweisreize entstehen. In Experiment 1 bearbeiteten N = 60 Studierende einen Fragebogen zu Karriere- vs. Freizeitorientierung entweder auf dem Campus ihrer Hochschule oder in einem Café, wobei die Bedingungen bei der Terminvereinbarung randomisiert zugewiesen wurden. Alle abhängigen Maße (Verhaltensabsichten, generelle Wertorientierung sowie selbstbeschreibende Eigenschaften) zeigen eine signifikant höhere Karriereorientierung in der Campusbedingung. Experiment 2 repliziert diese Befunde konzeptuell, indem Einstellungen zu Beruf und Familie an einer Stichprobe berufstätiger Eltern (N = 80) erhoben wurden, die den Fragebogen entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz ausfüllten. Jeweils die Hälfte der Probanden tat dies in der Überzeugung, dass Falschantworten aufgedeckt würden (Bogus Pipeline-Paradigma), was den Effekt weitgehend eliminierte. Kontextbedingte Zugänglichkeitseffekte scheinen daher prinzipiell kontrollierbar zu sein. Implikationen für die Validität von Befragungen in der angewandten Wirtschaftspsychologie werden diskutiert.

Schlüsselwörter: Priming, flexibles Selbstkonzept, soziale Erwünschtheit, zustandsabhängiger Abruf

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