Lasst sie frei! Autonomie bei der Aufgabenreihenfolge fördert Flow, Selbstwirksamkeitserwartung, kognitive Leistung und die Suche nach Herausforderungen in Testsituationen

Katja Mierke, Sabine Scheidtmann und Dinara Ibrahimova

Aufbauend auf bisherigen Befunden zu den positiven Effekten von Autonomie wurden die Auswirkungen von frei gewählter vs. strikt vorgeschriebener Aufgabenreihenfolge innerhalb einer ansonsten restriktiven Testsituation untersucht. Abhängige Variablen waren Flow, Selbstwirksamkeit, Leistung und die Suche nach Herausforderungen (Experiment 1) sowie selbstbehinderndes Verhalten (Experiment 2) in einer nachfolgenden Aufgabe. In Experiment 1 (N = 73) zeigten die Teilnehmer in der Autonomiebedingung (im Vergleich zur Kontrollgruppe mit strikt vorgeschriebener Aufgabenreihenfolge) signifikant höhere Selbstwirksamkeit und bessere Leistungen in kognitiven Tests, und sie wählten häufiger ein angeblich schwierigeres Aufgabenset für einen zweiten Durchgang, in dem auch der Effekt von Autonomie auf Flow signifikant wurde. In Experiment 2 (N = 100) wurde über falsch negatives Feedback zur Leistung in einer selbstwertrelevanten (vs. selbstwertirrelevanten) Aufgabe selbstbehinderndes Verhalten vor einer nachfolgenden Aufgabe induziert. Verglichen mit der Kontrollbedingung, in der die Aufgabenreihenfolge strikt vorgeschrieben war, verschwand dieser Selbstbehinderungseffekt, wenn die Aufgabenreihenfolge zuvor autonom gewählt werden konnte. Autonomie bei der Aufgabenreihenfolge fördert also Faktoren psychologischen Wachstums selbst in hoch strukturierten Leistungstestsituationen. Die Befunde haben praktische Implikationen für organisationale und pädagogische Settings, sowie für die Gestaltung von Arbeitgeberimage, insoweit sich dieses aus Bewerbererfahrungen bei Personalauswahlprozessen ergibt.

Schlüsselwörter: Autonomie, Flourishing, Self-Handicapping, Herausforderungen, Bewerbererfahrung

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