Narzissmus und narzisstische Bedürfnisbefriedigung deutscher Nutzer von Social Networking Sites

Tim Blumer, Hugh Leonard, Jose M. Lara-Ruiz und Nicola Döring

Positive Zusammenhänge zwischen Online Social Networking und narzisstischen Verhaltensaspekten wurden vielfach in der Forschungsliteratur berichtet. Es bleibt jedoch unklar, weshalb narzisstische Personen Social Networking Sites wie Facebook häufiger und intensiver nutzen. Die vorliegende Studie untersucht subklinischen Narzissmus (durch das Narcissistic Personality Inventory) sowie typische Bedürfnisse narzisstischer Personen auf Social Networking Sites. Mit Hilfe neu entwickelter Skalen wird getestet, ob die drei typisch narzisstischen Bedürfnisse (1. Need for Attention / Admiration, 2. Need for Self-Disclosure / Self-Presentation, 3. Need for Self-Esteem) offline in Face-to-Face-Kommunikation oder online auf Social Networking Sites besser befriedigt werden können. Hierdurch soll die Frage beantwortet werden, ob narzisstische Personen eine Präferenz für Online Social Networking entwickeln, da sie dort ihre typisch narzisstischen Bedürfnisse besser befriedigen können. Eine Fragebogenerhebung unter 886 deutschen Studenten bestätigt korrelative Zusammenhänge zwischen Narzissmus und der Nutzung von Social Networking Sites. Regressionsanalysen und t-Tests zeigen, dass narzisstische Personen Social Networking Sites häufiger und intensiver nutzen. Für die Befriedigung von typisch narzisstischen Bedürfnissen (1. Need for Attention / Admiration, 2. Need for Self-Disclosure / Self-Presentation) wird jedoch Face-to-Face-Kommunikation präferiert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Online Social Networking im Vergleich zu Face-to-Face-Kommunikation nicht sonderlich lohnend für narzisstische Personen ist, sondern lediglich eine zusätzliche Möglichkeit narzisstischer Selbstdarstellung und Bedürfnisbefriedigung darstellt.

Schlüsselwörter: Persönlichkeit, Online Verhalten, Facebook, Social Media, Narzissmus, Social Networking