Quiet Quitting – Eine empirische Einordnung
Quiet Quitting ist ein neues Konstrukt, dass aus Alltagsbeobachtungen in der beruflichen Praxis entstanden ist. Es beschreibt eine distanzierte Einstellung von Beschäftigten zu ihrer beruflichen Arbeit. Die Betroffenen sind demnach nur bereit, die Aufgaben zu erfüllen, die vertraglich vereinbart wurden. Darüber hinaus zeigen sie kein berufliches Engagement. In zwei Studien wird mit Hilfe einer neuen Skala zur Erfassung von Quiet Quitting untersucht, wie sich das neue Konstrukt in den Kontext bestehender Konstrukte der Wirtschaftspsychologie einordnen lässt. Quiet Quitting fällt demnach umso stärker aus, je negativer Arbeitsbedingungen eingeschätzt werden (z. B. Unterforderung). Gleichzeitig steht Quiet Quitting in einem positiven Zusammenhang zum Motiv der Work-Life-Balance und einem negativen Zusammenhang zum Streben nach individueller beruflicher Entfaltung und Leistung. Die Ergebnisse belegen negative Zusammenhänge zu Arbeitszufriedenheit und Commitment. Zudem erweist sich Quiet Quitting gegenüber Arbeitszufriedenheit und Commitment als inkrementell valide bei der Vorhersage von Organizational Citizenship Behavior. Quiet Quitting ist bei jüngeren Menschen und Menschen ohne Führungsverantwortung geringfügig höher ausgeprägt als bei Älteren sowie Führungskräften. Etwa 18 % der befragten Personen liegen in der oberen Hälfte der Skala. All dies spricht für einen konzeptionellen und praktischen Mehrwert des neuen Konstruktes.
Schlüsselwörter: Quiet Quitting, Arbeitszufriedenheit, Commitment, Organizational Citizenship Behavior, Kündigungsabsicht

